Yoga

Was ist Yoga? Eine Frage, die den Zugang zum Herzen erfordert.

Das Sanskrit-Wort Yoga wird wörtlich gerne mit "Verbindung", "miteinander verbinden" oder auch "Joch" übersetzt. Yoga lässt sich aber nicht in diesen wenigen Worten widergeben und soll es auch nicht. Um trotzdem eine persönliche Antwort auf die Frage, was Yoga ist, wiederzugeben:

 

Für mich ist Yoga die Vereinigung des Bewusstseins im Herzen. Und dies zu FÜHLEN sagt mehr als tausend Worte.
Aus dieser tiefsten Verbindung heraus entsteht alles, was mit Yoga zu tun hat.

 

Was sind Asanas (und was nicht)?

Das bei uns verbreitete Bild, wenn von Yoga gesprochen wird, entspricht meistens vorläufig dem der physischen Praktik – dem Ausführen von (Körper-)Haltungen, in Sanskrit Asanas genannt. Dies ist EIN Teil des Yoga, der in der Entwicklungsgeschichte des Yoga erst im Verlauf (in allererster annähernder Form vor ca. 2000 Jahren) dazu kam. Ursprünglich (vor ungefähr 5000 Jahren) bestand der Yoga ausschliesslich aus Meditation und Mantras.

Die ersten Asanas waren demzufolge einige wenige Sitzhaltungen, um in Meditation zu verharren. Mit der Zeit entwickelten sich daraus weitere Körperhaltungen, um den Körper auf die statische Position der Meditationshaltung vorzubereiten. Dabei gilt es zu verstehen, dass mit Meditation nicht die in der heutigen Zivilisation praktizierte zeitlich begrenzte Meditation als Praktik gemeint ist, sondern ein meditativer anhaltender Zustand.

In den Raja Yoga Sutras von Patanjali (II. Buch, Vers 46) findet man die berühmte Zeile: "sthira sukham asanam" 
 

  • sthira: gesetzt, stabil, fest, sicher, beständig

  • sukham: bequem, leicht, frei, Zustand von Wohlbefinden und Freude

  • asanam: Haltung (bezogen auf den Körper und Geist)

Doch auch wenn eine Yoga Pose "gesetzt und gleichzeitig leicht" ist, ist es dennoch keine Asana, solange die Vereinigung des Bewusstseins im Herzens nicht da ist.

 

Der meditative Zustand - tief versunken im wahren Selbst, abgetrennt von den äusseren Sinneswahrnehmungen - ist es, der eine Asana zu einer Asana macht. Eine Yoga-Pose ohne Vereinigung des Bewusstseins im Herzen ist keine Asana, sonder eine Gymnastik-Übung, welche ihre eigenen, mehrheitlich physischen Wirkungsweisen hat.

Genauso wie Meditation keine Übung ist, ist eine Asana keine Pose. Es sind beides Zustände. Genaugenommen ein und der selbe Zustand, wo Körper und Geist vereint in den Hintergrund treten und das wahre Selbst SEIN kann - auch dann wenn sich der Körper gerade ausserhalb seiner Komfortzone befindet.

Was ist Teil des Yoga?

Ich könnte hier den im Yoga weit bekannten Ashtanga Yoga achtgliedrigen Pfad auflisten, oder weitere Yoga Sutras. Aber dazu findet man überall genug Inhalt und Interpretationen. 

Bei dieser Frage geht es mir, um meinen persönlichen Yoga-Unterricht. Was für mich zu einer Yoga Praxis dazugehört:

  • Die Eröffnung eines geschützten Raums, in dem individuelle Prozesse möglich sind

  • Die universell heilige Silbe OM/AUM

  • Ein Sankalpa - eine stille Absicht, die den Asanas eine Wirkungsrichtung vorgibt

  • Die Vereinigung des Bewusstseins im Herzen

  • Die Kontrolle des Atems und Pranas - der Lebensenergie (Pranayama)

  • Das Anstreben eines stabil-festen und gleichzeitig leicht-freien Zustands des Körpers und Geistes während den Asanas

  • Das zur Ruhe kommen des Gedankenkarussells und Eintreten in den Inneren Raum

  • Der urteils- und wertefreie Umgang (des Lehrers und in der Klasse)

  • Sicherheit und Mitgefühl an oberster Stelle sowie Zutrauen und Bestärkung, wo es die Situation erlaub

  • Der Rückzug der Sinne (speziell im Yoga Nidra)

 

Stell Dir Deinen Geist als See vor. Wenn das Wasser aufgewühlt ist, kannst Du nur beobachten, was an der Oberfläche geschieht. Wenn das Wasser aber still und ruhig ist, wird es klar und Du kannst in die Tiefe sehen. Schaffst Du es, Deine Gedanken zu kontrollieren, dann schaffst Du es auch, in Dein Unterbewusstsein vorzudringen und genau dort kannst Du Deine Mentalität selbst beeinflussen.

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